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04.02.2012 

Alte Gaußianer auf Abwegen

Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium: Rund 800 Ehemalige lassen beim großen Treffen vergangene Zeiten wieder aufleben

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Wiedersehen machte Freude: Vertreter der Abijahrgänge 1973/74 beim geselligen Beisammensein. Bild: Schäfer

Quelle: Schwetzinger Zeitung, 13. Juli 2010

Von unserer Mitarbeiterin Vanessa Schäfer

Erste bekannte Gesichter treffen aufeinander. "Dich kenn ich doch!" "Wie war das gleich noch mal?" "Damals in der zweiten Reihe." Alte Erinnerungen werden ausgetauscht. Erfolgserlebnisse noch einmal gemeinsam durchlebt. Und damalige Niederlagen einfach weg geschmunzelt.

"An so einem Tag wie heute ist alles auf einmal wieder ganz präsent", so Manfred Geißler. 1973 hat er zum letzten Mal einen Fuß ins Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium gesetzt - am Samstag, 37 Jahre später erkennt er seine alte Schule und seine Mitschüler kaum noch wieder. Und damit ist er nicht der Einzige.

Über 800 Ex-Gaußianer nutzten die Gelegenheit, beim großen Ehemaligentreffen des Gymnasiums alte Zeiten Revue passieren zu lassen. "Wir sind überrascht, dass tatsächlich so viele gekommen sind", zeigte sich Schulleiter Joachim Kriebel bei einem Blick über das Schulgelände mehr als zufrieden. Keine Kosten und Mühen haben er und seine Mitorganisatoren, die beiden Lehrkräfte Anja Kaiser und Wolfgang Schneider sowie die ehemaligen Schüler Kai Blümchen, Martin Chmielewski und Guido Schmidt gescheut, damit sich sämtliche Lehrer und Ehemaligen der Abiturjahrgänge 1973 bis heute rundum wohl fühlen.

Waschechte "School of Rock"

"Der Austausch untereinander steht natürlich ganz klar im Vordergrund", machte die ehemalige Schülerin des Abiturjahrgangs 1990 und heutige Lehrerin am Gauß-Gymnasium, Anja Kaiser, deutlich. Dennoch unterstrich ein buntes Rahmenprogramm, dass am Samstag alles andere als die Schulbank gedrückt wurde.

Während die Big Band unter der Leitung von Matthias Mayer die Festlichkeit mit zünftigem Bläserklang in der Aula eröffnete, gab es spätestens beim Auftritt der Lehrerband kein Halten mehr. Mit Unterstützung des Freundeskreises und der Schüler verwandelten Ekkehardt Jahn, Peter Wickenhäuser, Wolfgang Schneider und Gerhard Spatz die Lehranstalt in eine waschechte "School of Rock" - ihre ehemaligen Sprösslinge und Kollegen als Fanschar vor der Bühne. "Es ist der Wahnsinn", Birgit Kaschta fehlten die Worte, "die haben mich alle schon unterrichtet und auch ihren ersten Auftritt 1976 habe ich miterlebt. Seitdem sind sie zwar älter geworden, aber noch mindestens genauso fit."

In ihrer Rolle als Marius Müller Westernhagen oder Status Quo funktionierten die vier Urgesteine ebenso gut, wie sie ihrer alltäglichen Berufung als Lehrer nachgehen.

Während die Klänge von "Wonderful World" noch nachhallten, gönnten sich die Ersten bereits an der Cocktailbar eine kleine Abkühlung. Andere machten sich dagegen über die Köstlichkeiten am Buffet her, das Dirk Kusminsky, ehemaliger Gaußianer und Betreiber des "Wersauer Hof", zubereitet hatte und gesellten sich im Schulhof zusammen.

"Man sollte die Schulzeit zwar nicht verklären, aber obwohl es eine verhältnismäßig kurze Zeit ist, halten die Kontakte, die man in der Zeit knüpft, meist ein Leben lang", stellte Michael Meinhardt vom Abijahrgang 1981 während des Treffens fest.

"Da oben im dritten Stock war unser Klassenzimmer", bemerkte dagegen Peter Hancke vom ersten Abiturjahrgang, als er seinen Blick auf die Mauern des Schulgebäudes richtete. Anderswo versammelten sich gar schon zwei Gauß-Generationen an einem Tisch - Eltern, die vor 30 Jahren die ersten Gaußianer-Vorreiter waren, und ihre Kinder, die in den vergangenen Jahren in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten sind.

In Erinnerungen schwelgen

Doch ganz gleich, ob erst seit einem Jahr aus der Schule, oder schon seit 37 Jahren auf eigenen Beinen, in Erinnerungen schwelgen konnten alle. Bei einem Rundgang durch das Schulgebäude wurden Erlebnisse von damals gegenwärtiger denn je. Die Klassenzimmer hielten Geschichten verborgen, die von den Ehemaligen langsam wieder ans Tageslicht gebracht wurden. "Ich weiß noch genau, wo ich damals gesessen bin", so Sebastian Reuter (Abi 2005), seinen Platz in der letzten Reihe einnehmend.

Hier mal während der Projekttage ein Klassenzimmer gestrichen oder heimlich den ersten Kuss ausgetauscht, dort mal den Lehrern einen Streich gespielt und nachsitzen müssen: Es gibt kaum etwas, was es in den vergangenen 37 Jahren am Gauß-Gymnasium nicht gegeben hat. Und wie auch mehr als 800 Ehemalige nach langer Zeit wieder ihre alte Schule aufsuchten, so kehrte auch die alte Dame in ihre Heimat zurück. In einem Auszug aus "Der Besuch der alten Dame" gab die Theater-AG unter der Leitung von Hildegard Wirth, Karl-Ludwig Matz, Anja Kaiser und Dietrich Brinkmann schon jetzt einen kleinen Vorgeschmack auf die große Premiere übernächste Woche, ehe das Fußballfieber die Schulaula packte.

Schwetzinger Zeitung, 13. Juli 2010
 

Daniel Vollbrecht, 13.07.2010
 

 
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